About Emilia

In the midst of life I decided to slow down and built my own narrowboat.
Die ganze Geschichte

Vorgeschichte

Ja, und da lebe ich jetzt, wenn ich in London bin. Auf Emilia, einem traditionellen englischen Kanalboot, das ich selbst entworfen und gebaut habe. Mitten in Little Venice, im Westen der Stadt. Auf ca 16 qm, immer leicht schwankend. Wie das kam? Ein eigenes Boot zu bauen, auf dem man wirklich leben kann, das war immer ein Traum, seit ich vor sieben Jahren beim Dreh für einen längeren Film über Kanalboote auf Emily traf. Ein altes Wrack, das ich aus Mitleid an einem Sonntagnachmittag kaufte, und dann eigentlich nonstop reparieren durfte, viele Jahre lang. Viel geflucht habe ich, all die Jahre lang. Aber auch viel gelernt. Über Motoren, Wasserpumpen, die eigene Ungeduld im besonderen und die Briten im allgemeinen.

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Ein echtes Retro-Boot war die kleine Emily am Ende. Very english, aber eben auch immer zugig und feucht. Wenn es regnete, und es regnet bekanntlich oft in London, lief ihr das Wasser aus irgendwelchen Gründen in den Bauch. Und so musste sie dann regelmäßig  ausgepumpt werden. Bei jedem Schauer aufs neue. Denn ein solcher Stahlkahn sinkt innerhalb von wenigen Minuten, wenn er zu schwer wird. War ich unterwegs, mussten Nachbarn und Freunde für den Ernstfall bereit stehen. Die kleine Emily, sie war ein aufwändiges Hobby.

Irgendwann hatte ich genug davon. Und entdeckte die Deutsche in mir, die es doch auch noch gab, und die sich nach dichten Fenstern und trockenen Schlafzimmern sehnte. Kurz gesagt, einfach nach Dingen, die funktionieren.

 

Der Bau

Und so wurde dann Emilia geboren. In Rugby, auf einer der alten Stahlwerften der Insel, im Norden Englands, wo diese Boote herkommen und wo sie eben immer noch hergestellt werden. Dort oben gibt es sie nämlich noch, die alte englische Handwerks-Kunst.

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Dazu das „London Calling“ aus November 2014:

 

 

Das Happy End

Ganz von Hand hergestellt ist Emilia auch wieder ein traditionelles Narrowboat, 7 feet breit und 40 feet lang.  Anders als Emily aber mit dreifach isolierten Kabinenwänden, einem wunderbaren kleinen Kohleofen, dem ökologisch korrekten Kompost-Klo und dichten Fenstern. Doppelverglast.  Ein Boot, das besser isoliert sein dürfte als so ziemlich jede Londoner Wohnung 😉

Geschätzte Wohnfläche 16qm. – Dinge, die ich aus meinem alten Leben mitgenommen habe: 69. Reicht.

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Und da lebe ich jetzt, wenn ich in London bin. Mittendrin in Central London und doch am Rande. Im Schatten der Villen der Superreichen, die ihre millionenschwere Paläste regelmässig noch tiefer in die Erde graben, um sie dann noch teurer weiterzuverkaufen.  Bewohnt sind die wenigsten dieser Villen, auf die wir von hier unten schauen. Sie sind stattdessen kühlkalkulierte Wertanlagen, in denen sich vor allem Bauarbeiter und Angestellte aufhalten.  Das echte Leben spielt sich vor ihrer Haustür ab, auf dem Wasser, in unserer kleinen Kolonie.

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An guten Tagen amüsiert mich das. An anderen Tagen frage ich mich, wohin dieser Wahnsinn führen wird. Wenn dieses London immer mehr von innen ausstirbt, an seinem Reichtum erstickt und sich bald kein normaler Brite seine Hauptstadt mehr leisten kann. Ausser auf dem Wasser natürlich. Noch.

Annette Dittert